Kirschbaumblüten
Break.Fast

Die Luft, die meine unbedeckte Schulter erkalten lies, weckte mich. Ich schlug die Augen auf und sah direkt in sein Gesicht. Es war schön neben ihm aufzuwachen. Jedes Mal aufs Neue.

Heute freute ich mich nicht.

Ich drehte ihm den Rücken zu. Er schien wach zu sein, zumindest spürte ich seine Hand über meinen Rücken wandern. Von meinem Steißbein langsam hoch - mit vorsichtigen und bedachten Schritten - weiter zu den Schulterblättern, am Nacken vorbei, um dann bei meinen Haaren zu verweilen und an den Locken zu spielen.

Ich liebte es wenn er es tat, wenn er sie sanft um seinen Finger wickelte, ich bekam jedes Mal eine Gänsehaut, auch nach einer so langen Zeit noch. Ein leises Seufzen entglitt mir. Was war nur los mit mir? Er war all das, was ich mir immer gewünscht hatte und dennoch ertrug ich die Nähe nicht.

Ein leises guten Morgen wurde in meine Richtung geflüstert -

Ich stand auf.

- ob ich gut geschlafen habe, fragte er mich.

Ich zog den Bademantel über. Ich drehte mich um und warf ihm höflichkeitshalber ein Lächeln zu, was anscheinend so unecht, übertrieben und gekünstelt aussah, dass er verwirrt zurückstarrte.

Ich ging wortlos in die Küche herunter.

Meine Mutter, oder wie auch immer man es nennen mag, inzwischen vögelt sie lang genug meinen Vater, stand am Frühstückstisch.

Was Sonnenschein zum Frühstück haben möchte, wollte sie doch bitte wissen.

Der Frühstückstisch war perfekt gedeckt, kein Krümel lag darauf, die Tischdecke ohne Falten, strahlend weiß. Jeder Teller im selben Abstand zum anderen.

Es war für 4 gedeckt. Für ihn also auch. War er also doch schon so selbstverständlich geworden.

Man hatte mich nie gefragt, was ich zum Frühstück haben wollte, ich hatte nie eine Mutter, die es tat. Mein Vater las morgens stets den Sportteil und außer eines Morgengrußes und leisen Flüchen bezüglich des Misserfolgs seines Lieblingsteams, war’s der einzige Wortwechsel zwischen uns. Ich hatte nie eine Mutter und brauchte auch keinen billigen Ersatz, der wissen wollte, was Sonnenschein zum Frühstück haben wollte.

Ich starrte gelangweilt in ihre Richtung. Sie machte Waffeln. Ich hatte weder Hunger, noch hatte ich die Kraft ihren Anblick zu ertragen. Ich war hier heruntergekommen, um meine Ruhe zu haben, nun musste ich wieder flüchten.

Ich ging die Treppen wieder hoch. Ein kurzer Blick in den Badezimmerspiegel verriet mir, dass man die Spuren der letzen Nacht sah: Ich sollte eindeutig mehr schlafen. Die Augenringe waren dunkel und meine Lippen spröde. Die Haare hingen strähnig an mir herunter und meine Haut hatte noch den Abdruck vom Kissen.

Ich zog mich aus und stieg unter die Dusche. Kaltes Wasser lief mir am Rücken herunter; ich begann sofort zu zittern. Das Wasser tat gut. Ich mochte das Rauschen in den Ohren und die Eigenschaft die Gedanken zu vertreiben. Ich merkte gar nicht, wie die Zeit verflog. Die Uhr, die auf dem weißen Schränkchen, das voll mit seinen Sachen war, stand, verriet mir, dass ich anscheinend schon wieder geträumt habe.

Ich zog mich wieder an. Meine Sneakers, Schuhgröße 40, (viel zu groß, wie ich fand) standen noch genauso da wie ich sie am Abend zuvor hingestellt habe. Neben seinen, Größe 47, sahen meine so klein und unbedeutend aus. Es passte nicht zusammen.

Ich hörte ein leises Räuspern hinter mir.

„Wo willst du hin?“

Ich zog mir den linken Schuh an.

"Lisa?"

Ich zog mir den rechten Schuh an.

"Willst du mich nicht mitnehmen?"

Der Mantel und der Schal folgten.

"Wird das wieder eins von deinen Spielchen?"

Ich konnte das Grinsen, dass mich damals zum schmelzen gebracht hat, förmlich hören.

Ich drehte mich langsam um und schaute ihm fest in die Augen.

"Nein, diesmal nicht.“

Ich ging.

Als ich wieder kam, war es bereits dunkel und die frühlingshafte Wärme war verflogen. Er lehnte am Türrahmen und beobachtete mich. Ich spürte seine Blicke im Rücken.

Er schwieg und sah mich nicht an.

Ob alles okay sei, fragt er.

Ich setze mein natürlichstes Lächeln auf und strahlte ihn an. Klar doch, wieso sollte es auch nicht?

Er warf mir einen letzen musternden Blick zu.

"Kommst du ins Bett?"

Ich folgte ihm.

Die Bettwäsche knisterte leise. Er hatte das Bett frisch bezogen.

"Ich habe das Gefühl, dich zu verlieren."

Ich lächelte sanft und streichelte sein Gesicht. "Ich würde dich niemals verlassen, das weißt du doch."

Er gab mir einen Kuss – er schmeckte süß und war so zart, wie die kurze Berührung eines Schmetterlingsflügels- und schlief dann zufrieden, mit einem Lächeln auf den Lippen, ein.

Es war das letzte Mal, dass ich ihn schlafen sah, als ich mit gepackten Koffern aus der Tür ging.

7.3.08 13:38
 


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